Frank Stein (Privatier)

Eigene Betroffenheit stärkt mein Verständnis

Eigentlich war es meine Frau, die mich auf der Reinickendorfer Ehrenamtsbörse zum Fibonacci-Stand brachte. Als Hoch-IQ-Mensch und jemand, der gerne mit jungen Menschen arbeitet, müsse das doch etwas für mich sein.

Tatsächlich kann ich als selbst Betroffener sehr gut die speziellen Schwierigkeiten von hochbegabten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen nachvollziehen. Insbesondere in jüngeren Jahren hätte ich gern selbst jemanden an meiner Seite gehabt, mit dem ich mich mit für mein Alter ungewöhnlichen Themen hätte beschäftigen können. Mit dem Fibonacci-Programm bot sich die Gelegenheit, genau eine solche Rolle zu übernehmen.

Bei meinem ersten 13-jährigen Mentee passte es zwar inhaltlich perfekt, aber der Start war logistisch unerwartet schwierig. Als es dann endlich losging, haben wir uns zunächst mit praktischer Elektrotechnik befasst und uns dann der Computer-Programmierung gewidmet. Es wurde nach einigen Monaten klar, dass weniger das Beschäftigen mit Themen als viel mehr die regelmäßigen Treffen an sich dem Mentee gut taten: Es kamen zwischendurch Fragen, wie es denn bei mir früher war (auch nicht viel anders), und er erzählte von Dingen aus seinem Alltag, die ihn gerade beschäftigten. Nach gut einem Jahr hatte er viele oft konfliktbeladene Dinge gut im Griff. Er wurde immer entspannter und selbstsicherer.

Für den zweiten 16-jährigen Mentee war eigentlich nur eine Begleitung von wenigen Wochen vorgesehen, bis er an einem universitären Mathematik-Programm teilnehmen konnte. Bis dahin wollten wir gemeinsam Mathe pauken. Tatsächlich haben wir uns aber nach einiger Zeit eher mit sozialen Themen beschäftigt, bei dem ich ihm einige wissenschaftliche Grundlagen vermitteln konnte. Das diente dazu, Verhaltensweisen besser zu verstehen, sich darauf einzustellen und so das Leben einfacher zu machen. Aus den wenigen Wochen ist mittlerweile ein Jahr geworden.

Für mich ist das Arbeiten mit einem Mentee eine große Bereicherung. Die Direktheit und ungebremste Begeisterung ist schön zu erfahren. Ich selbst lerne fachlich dazu und bekomme einen kleinen Einblick, was Kinder und Jugendliche von heute so umtreibt.

Mein Ansporn ist nach wie vor, zur Entwicklung junger Menschen beizutragen und die Ergebnisse selbst erleben zu dürfen.

Frank Stein (Privatier)
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